Authentizität ist derzeit in aller Munde. Praktisch jeder ist authentisch. Echt. Leider avanciert der Begriff langsam aber sicher zu einem Buzzword. Leider deswegen, weil ich den Begriff sehr gerne mag. Für mich ist authentisch sein mehr als nur echt sein. Trotzdem tu ich mich schwer, ihn zu benutzen. Neulich war ich im Interview bei Katrin Schlegel. Das Format: eine Frage, eine Antwort. Kein Laberrhabarber. Und die Frage lautete: gibt’s eigentlich auch zu authentisch? Eine super spannende Frage wie ich finde. Wenn du magst, schau dir das Video gerne an. Wie gesagt, es dauert ja auch nicht lange. 

"Authentizität bedeutet, dass Denken und Handeln im Einklang miteinander stehen."

Diese Frage hallt bei mir immer noch nach. Zunächst einmal sollte geklärt sein, was denn Authentizität überhaupt bedeutet. Authentizität besteht nämlich in unterschiedlichen Kontexten. Ich betrachte den Begriff hier im Zusammenwirkung von Personen, denn das ist mein tägliches Geschäft. Authentizität bedeutet, dass ich  entsprechend meiner Werte, Gedanken, Emotionen und Überzeugungen handle.  Das klingt ja erstmal ganz einfach, ist es aber nicht. Denn es bedeutet auch, dass ich mich nicht durch äußere Einflüsse bestimmen lasse. Kurz gesagt: Authentizität bedeutet, das Denken und Handeln im Einklang miteinander stehen. Wenn man nun diese Definition zugrunde liegt, dann gibt es meiner Ansicht nach nur entweder oder. Oder? Entweder bin ich es oder ich bin es nicht. Ist zu authentisch nicht einfach eine andere Beschreibung für, dass ich eben gerade nicht authentisch bin?

Wir Menschen erkennen sehr schnell, ob unser Gegenüber authentisch ist oder eben nicht. Hierzu möchte ich dir eine kurze Geschichte erzählen. Vor meiner Selbstständigkeit war ich lange in der Personalentwicklung tätig. Ich habe viele Bewerbungsgespräche geführt, viele Assessment Center begleitet. In einem Assessment Center kam es zu der Situation, dass ich meine eigene Mitarbeiterin beobachtete. Sie hatte sich auf eine andere Stelle im Unternehmen beworben. Für mich war sie die perfekte Kandidatin. Ich kannte ihre Fähigkeiten, ihre Stärken ihre Einsatzbereitschaft, sie war die beste Besetzung für die Stelle. Und dann kam das Assessment-Center. Und es kamen bei ihr Gedanken, wie man in so einem Assessment-Center zu sein hat. Sie versuchte genau diese Rolle zu erfüllen, ohne Erfolg. Ihr Auftritt und das Bild was sie hinterlassen hat, waren – gelinde gesagt – unterirdisch.

Die anderen Beobachter kannten meine Mitarbeiterin nicht. Was sie sahen, war eine Frau, die eine Rolle spielte. Eine Rolle, die sie nicht ausfüllen konnte. Es schwang immer ein Gedanke mit: Irgendetwas passt bei ihr nicht! Und wenn irgendetwas nicht stimmt, dann entscheiden wir uns nicht für diese Person. Ich konnte das gut nachvollziehen, denn ich erkannte sie ja selber kaum wieder. Sie hat sich verstellt, um uns zu gefallen. Ganz ähnlich ist es mit unserer Positionierung am Markt und unserem Selbstmarketing.

"Wenn du allen gefallen willst, bist du am Ende für Niemanden interessant."

Wenn du gründest und anfängst deine Positionierung zu entwickeln, dann führen dich klassische Leitfäden durch folgende Fragen: Was braucht dein Kunde? Was braucht der Markt? Welches Angebot kannst du dem Kunden machen? Wie muss dann dein Marketing aussehen? Und ich will gar nicht sagen dass das für mich keine Rolle spielt. Aber nicht in der Reihenfolge! Für mich richtet dieser Blick den Fokus zu stark darauf, dass ich jemandem einfach nur gefallen will und dass ich deswegen Dinge auf eine Weise tue, die aus meiner Sicht am erfolgreichsten erscheint. Meine Persönlichkeit spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle. Für mich persönlich macht das keinen Sinn und funktioniert auch nicht.

Wenn ich den Fokus zuerst im Außen habe, dann habe ich zwar eine Positionierung, aber sie wird sicherlich nicht einzigartig sein. Denn es ist gut möglich, dass die Antworten meiner Analyse, die gleichen sind wie von jemand anderem. Denn wir stellen uns die gleichen Fragen? Wenn ich also immer schön mit dem Strom schwimme und mich an Dingen orientiere, die andere gerade machen und gut funktionieren, dann bin ich alles andere als einzigartig. Dann bin ich nur Eine von Vielen. Gehe ich aber mit meiner eigenen Botschaft nach draußen, mit meiner Persönlichkeit, dann steche ich automatisch aus der Masse hervor. Die Masse folgt ja nur dem, was der Markt will. Wenn du für dein Thema brennst und 100% dahinter stehst, dann gibt das deiner Außenwirkung einen viel eigenständigeren Charakter.

"Wie kann ich denn nun authentisch sein?"

Authentisch kannst du nur sein, wenn Du Klarheit darüber hast, wofür denn dein Unternehmen im Innersten stehen soll. Wer ist dein Lieblingskunde? Was ist dein Herzensthema? Was ist deine Mission? Was sind deine Werte? Was sind deine Lieblingsfähigkeiten? Mit den Antworten auf diese Fragen gewinnst du Klarheit. Mit dieser Klarheit schärfst du dein Profil. Du kannst dann zwar nicht mehr jedem alles anbieten, aber willst du das überhaupt? Du wirst sehr deutlich wissen, mit wem du denn wirklich arbeiten willst. Deine Positionierung gewinnt an Schärfe und Kraft. Diese Klarheit macht dich wesentlich sichtbarer und vor allem attraktiver für deine Lieblingskunden. 

Positionierung und authentisches Marketing gehören daher zusammen. Marketing wird dann authentisch, wenn es auf deiner einzigartigen Positionierung fußt. Dadurch wirst du draußen als echt wahrgenommen werden. Es bedeutet auch, Mut zu haben zu vielem „Nein“ zu sagen und dich wortwörtlich zu positionieren. Du wirst  Marketing nicht mehr im Kontext von „Was muss ich machen, damit der andere kauft“ betreiben. Im Fokus wird stehen, „wie können wir gemeinsam eine Lösung kreieren, die dein Problem löst“. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.